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Viele von euch kennen vielleicht die Animeserie „eine fröhliche Familie“ oder den Film mit Winona Ryder und Christian Bale „Betty und ihre Schwestern“.
Dieses Buch ist die literarische Grundlage.

Der Band enthält sowohl „Little Women“ und auch „Good Wifes“.
Der erste Teil beschreibt das Leben der Familie March.
Der Vater ist im Krieg und die Vier Schwestern Meg (die Vornehme), Jo (der Wildfang), Beth (die Schüchterne) und Amy (auch ein Wildfang, macht aber immer auf vornehm) leben gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Haushälterin in einem kleinen Häuschen und meistern den Alltag. Also nähen sie jeden Abend und stopfen ständig Socken.
Die ganze Zeit über reden sie davon, dass sie früher einmal reich waren und diese Zeit vermissen, da sie nun in recht ärmlichen Verhältnissen leben. Sie können sich nicht ständig neue Kleidung leisten, auch die Weihnachtsgeschenke fallen knapp aus.
Eines Tages werden Meg und Jo auf einen Ball eingeladen. Dort freundet sich Jo mit dem Nachbarsjungen Lauri an, der im Laufe der Geschichte wie ein Bruder für die Mädchen wird und am Ende eines von ihnen heiratet.
Sein Opa bei dem er aufwächst freut sich darüber, dass er Freunde findet und sieht in Betty so etwas wie seine Enkelin, da sie seiner verstorbenen Enkelin sehr ähnlich sieht.
Eines Tages wird der Vater im Krieg verletzt und die Mutter fährt ins Krankenhaus. Die Mädchen sind auf sich allein gestellt.
Der Vater kommt zurück und ab dem Tag wirken die Kapitel recht abgehackt. Wo vorher noch ein Erzählfluss war hat man nun Sprünge von Monaten und sogar Jahren drin. Vorher passierte alles innerhalb weniger Monate.

Das Buch plätschert vor sich hin und erzählt alltägliche Dinge aus dem Leben der Familie.
Tpisch für die zeit, aus heutiger Sicht jedoch schade, ist wie unemanzipiert die Mädchen sind. Sie unterhalten sich darüber vornehme Damen zu werden, Meg möchte unbedingt reich heiraten (natürlich heiratet sie dann aus Liebe einen armen Schlucker 😉 ), Jo wird immer vorgeworfen zu burschikos zu sein.
Ihre Rolle im Buch ist jedoch erfrischend anders, eben weil sie NICHT dem Idealbild entspricht. Sie schreibt gerne ihre Geschichten, verkauft sie später sogar für gutes Geld an eine Zeitung. Sie ist recht selbstständig und will nicht so recht ins „feine, junge Lady“ Bild passen. Sie eckt an mit ihrer Art und ist nicht aalglatt.
Am Ende lernt sie in New York einen Mann kennen wegen dem sie zeitweise zu schreiben aufhört und damit in gewisser Weise auch ihre Selbstständigkeit aufgibt. Sie nimmt es später wieder auf, wollte es aber gar nicht veröffentlichen. Das hat ihre Familie für sie getan.
Ich hätte es konsequent gefunden, wenn sie nicht die wohlerzogene Dame geworden wäre, sondern eben ein Wildfang geblieben wäre.

Megs Entwicklung habe ich ja schon angesprochen. Von einem Mädchen was die ganze Zeit bedauert nicht reich zu sein und nicht neue Kleider zu haben, entwickelt sie sich, auch durch Schlüsselmomente im Urlaub mit einer reichen Familie, hin zu einer liebenden Ehefrau und Mutter der irgendwann die ärmlichen Verhältnisse egal sind. Von ihr erfährt man nach der Hochzeit jedoch relativ wenig. Erst ist sie mit dem Haushalt überfordert, später kurzzeitig mit den Kindern bis sie einen Rat ihrer Mutter annimmt.

Beth schafft es ihre Schüchternheit abzulegen. Leider wird sie ziemlich krank (erst Scharlach und dann Tuberkulose), so dass ihre charaterliche Entwicklung kaum bemerkbar ist.

Amy hingegen. Anfangs ist sie ein wildes Mädchen, welches sogar vom Lehrer Stockschläge erhält und dann nicht mehr zur Schule gehen möchte, weil sie sich so gedemütigt fühlt Im Laufe der Zeit wird sie jedoch ruhiger und steht über den Dingen. Als Beth an Scharlach erkrankt muss sie zur Tante ziehen, damit sie diese Krankheit nicht auch noch bekommt. Dort erhält sie von einer anderen verwandten das Angebot mit nach Europa zu reisen. Nach der Reise ist sie eine ganz andere und die vornehme Dame die Meg immer sein wollte.

Am Ende heiratet sogar Jo und gründet mit ihrem Mann eine Schule. Das Schlusskapitel enthält dann eine große Geburtstagsfeier, wo die ganze Familie beisammen sitzt, inklusive Jos Schüler und alle verbringen einen herrlichen Tag.

Wie oben schon erwähnt plätschert das Buch vor sich hin. Es gibt keine wirklichen Höhepunkte, nur Szenen bei denen man sich mit den Mädels mitärgert, z.B. als Amy bei einem „Markt“ hintergangen wird, aber dann durch Jo, Laurie und dessen Freunde aufgemuntert wird und die Mobberinnen nicht schlecht aus der Wäsche gucken. Man erlebt Unsicherheiten bei Jo z.B. als sich ein Mann für sie interessiert, der sich auch mehr interessiert. Man trauert mit der Familie mit. Allerdings gibt es auch einige Momente, wo man die Augen verdreht und sich eigenständigere Charaktere wünscht. Welche die nicht davon sprechen, dass sie einfach nur einen reichen Mann heiraten wollen, sondern die auch selbst was auf die Reihe kriegen, bzw. wissen, dass sie etwas auf die Reihe kriegen können.

Eigentlich ist das Buch ein Jugendroman ab 12 Jahre.
Ich hätte ein Problem damit dieses Buch meinen nicht vorhandenen Kindern in die Hand zu drücken ohne vorher mit ihnen darüber geredet zu haben (oder danach) was sich gesellschaftlich geändert hat.

Dennoch habe ich es genossen dieses Buch zu lesen, auch wenn es ein „Määääädchenbuch“ ist. Wer sich einfach mal in diese Zeit reinverstezen will und dankbar sein will, dafür dass er (generisches Maskulin, eigentlich meine ich sie) im 21. Jahrhundert lebt, sollte dieses Buch lesen.

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