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Mal wieder ein kleiner Schatz in den Mangelwaren, diesmal für 1,99€. Der Klappentext und die Aufmacheungen gefielen mir und ich habe ungefähr das bekommen, was ich davon erwartet habe:

IHR MANN?
Ein gutmütiger Pantoffelheld.
IHRE KINDER?
Reizende Monster.
IHR LEBEN?
Eine einzige Herausforderung.
Doch eine echte Lady lässt sich nicht unterkriegen.

England in den 1930er Jahren. In einem Dorf in der Grafschaft Devon vertraut sicheine Lady mit messerscharfem verstand ihrem einzigen Freund an: dem Tagebuch. Die Welt hat sich gegen sie verschwren, im Haushalt regiert das Chaos, und ihre Kinder sorgen stets am falschen Ort zur falschen Zeit für Unheil. Von ihrem Gatten, der sich am liebsten hinter der Zeitung verschanzt, hat die Lady keine Hilfe zu erwarten. So kämpft sie allein um Haltung bei Teegesellschaften, Dorffesten, Abendeinladungen und vor allem, wenn sie wieder einmal der grässlich perfekten Lady B. begegnet. Ein Glück, dass wenigstens ihr Tagebuch die Lady auf dem Lande nicht im Stich lässt…

Und mit dieser Lady B. steigt man auch direkt ein. Sie kommt an und weiß alles besser was die Hyazinten angeht. Sie weiß auch besser wie man Kinder erzieht, welche Bücher man liest …überhaut weiß sie ALLES besser und sagt es auch bei jeder Gelegenheit.
Hinzu kommt Robert, der Mann der namenlosen Lady, welcher stets über einer Zeitung einschläft und dem so ziemlich alles egal ist. Das zeigt sich auch daran, dass er durchauch auch mal vergisst worüber die Lady mit ihm gesprochen hatte.
Nach einer Woche fragt er dann auch mal, wie es ihrer Erkältung geht…
Heutzutage würde die Lady sicher die Koffer packen und gehen, bzw. ihn rauswerfen.

Ihre Gedanken kreisen um die Kindererziehung: Sie will eine moderne Mutter sein, ihre Kinder nicht verhätscheln und jaaaaa nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Sie sieht sich damit dann immer mit der gesellschaftlichen Meinung konfrontiert.
Ebenso hat sie ständig Geldsorgen. Zwar kauft sie sich ständig neue Kleidung, einen neuen Hut usw. und zwischendurch sieht es mit den Geldproblemen besser aus, als ihr Mann etwas ert, dennoch bleiben die Gedsorgen über das ganze Buch erhalten.
Neben den Geldsorgen, macht ihr das Personal auch zu schaffen. Die Köchin meckert ständig über den Herd, die Essenswünsche und alles andere. Die Haushaltskraft kündigt öfter und sie sucht eine neue. Die Seite erinnerte mich an Emily Gilmore, wenn auch nicht so extrem.

Ständig ist es auch Thema, dass sie diesen oder jenen bissigen Kommentar auf der Zunge hatte, aber ihn dann doch nicht gesagt hat, um nicht anzustoßen.
Ihre einzigen Ausflüchte aus diesem „Gefängnis“ sind ein Ausflug nach London zu ihrer Freundin Rose, bei dem sie in eine höhere Gesellschaft eingefürt wird und einige Künstler kennenlernt. Später fährt sie dann auch zu Rose nach Südfrankreich um dort wieder in künstlerischen Kreisen zu verkehren.

Alles in allem gefällt mir das Buch. Es behandelt ein Jahr im Leben der Lady, mit Höhen (die Auflüge), den Tiefen (Masernerkrankung) und den gesellschaftlichen Ansprüchen in den 1930ern. Die Sprache ist zwar relativ einfach gehalten und erinnert zeitweise eher an eine simple Aufzählung, dennoch macht es nach und nach Spaß das zu lesen.
Heutzutage würde sie sicherlich, statt eines Tagesbuchs einen Blog schreiben…und ich würde ihm vielleicht sogar folgen.

Bei der Hauptfigur hatte ich dabei irgendwie die Assoziation an eine Mischung aus Molly L. und Emily Gilmore.

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Als kleiner Gag am Rande, für die unter uns die mit den Serien der 90er aufgewachsen sind:
Als die Kinder krank sind, kommt Mademoiselle (Die Kinderbetreuung) inMorgenmantel und Pantoffeln an. Ich muss nicht sagen wen ich dann auf einmal vor Augen hatte.

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